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09Nov2012

Was killt jeden Text? Drei Pünktchen ...

Das Satzzeichen für jene, die nichts zu sagen haben.

Trostlos durchschreiten wir oft die Werbewüste ohne Hoffnung auf Labsal, das unseren Durst nach Geistvollem im dürren Wörterwald stillen könnte. Man merkt, manche Werbekollegen und -abteilungen ringen zwar nach atemberaubenden Formulierungen, doch will bis zum Druckschluss nichts aus der Feder quellen. Doch gegen dieses Leiden hat der liebe Gott – oder wer immer dafür letztinstanzlich verantwortlich ist – die Auslassungspunkte erfunden.

 

Beliebt in der persönlichen Korrespondenz per E-Mail, SMS und Facebook – und dort auch vertretbar –, haben sie sich ihren festen Platz nun auch in der Werbung gesichert. Alles, was „irgendwie“ nach mehr klingen soll, als es von sich aus vermag, wird mit drei Pünktchen versehen. (Im Journalismus wurden wir davon bisher weitgehend verschont, da klopfen aber auch mehr auf das Wort als auf Gestaltung fokussierte Zeitgenossen in die Tastatur.)

 

Dabei machen missbrauchte Auslassungspunkte jede Headline und jeden Text garantiert schlechter. Zuerst rauben sie dem sonst mit einem Punkt abgeschlossenen Satz seine Entschlossenheit, verwandeln ihn zu einem lauen Waschlappen mit weichem Händedruck. Dann jubeln sie ihm eine Unvollständigkeit unter, die möglicherweise gar nicht existiert. Schlussendlich stellen sie sogar die Ernsthaftigkeit der Aussage in Frage, da drei Pünktchen ähnlich wie Anführungszeichen suggerieren können, dass das Gesagte ironisch gemeint ist.

 

Rechtens sind die drei Punkte, wenn sie für eine Auslassung oder Andeutung, wie z. B. in „es hol dich der T…“ oder „Spieglein, Spieglein an der Wand, …“  stehen. Natürlich auch dann, wenn der Autor einen Gedanken offen oder unbeantwortet lassen möchte, um den Leser zum Nachdenken anzuregen.

 

Doch Letzteres gelingt in den inflationär auftretenden Fällen an Auslassungspunkten in der Werbung so gut wie nie und man ist gut beraten, beizeiten sich was Intelligentes auszudenken, anstatt sich am Ende mit drei Punkten die Blöße zu geben.

 

Links zum Thema in: Duden: Auslassungspunkte | Wikipedia: Auslassungspunkte | korrekturen.de: Auslassungspunkte| textguerilla: Tod den drei Punkten | typefacts.com: Auslassungspunkte

 

Werbebeispiele aus dem Internet mit nicht nachvollziehbarem Nutzen von Auslassungspunkten (Quellen: bitte auf Bild klicken):

Helmut Wiener(helmut@loswiener.com)weiterleitenPermalinkKommentare 0Gravatar: Helmut Wiener
Tags: sprache, stil, orthografie, auslassungspunkte, text
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"Werbetexte, die mehr Vorteile Ihres Produkts verraten, als Sie selbst schon kennen."

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