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20Nov2012

Wie schreibt man Telefonnummern richtig?

Die unergründlichen Weiten der Schreibnormen am Beispiel Telefonnummer.

Diesen Arktikel veröffentlichte ich erstmals auf einem anderen Blog vor zwei fast drei Jahren. Er hat nichts von seiner Richtigkeit eingebüßt. Ein kurzer Exkurs in die unergründlichen Weiten der Schreibnormen am Beispiel Telefonnummer:

 

Die DIN hat bei der Schreibung von Telefonnummern einen Kompromiss zwischen vielen Varianten im Wildwuchs der Schreibweisen gewählt, der nicht in jedem Fall befriedigt. Die Gruppierung in Zweierschritten von hinten nach vorne wurde aufgegeben, das macht das Ganze nicht gerade lesefreundlicher, will man meinen.

 

Allerdings ist auch die Rechtschreibordnung nicht überall logisch, trotzdem ist nichts anderes hilfreich, als deren Regeln einzuhalten: Denn dank diesem unlogischen Regelwerk schreiben alle gleich und das macht das Lesen und damit die Kommunikationsgeschwindigkeit schneller und die Kommunikationsqualität besser.

 

Doch zurück zu den Telefonnummern: auch andere Schreibweisen lassen sich meines Erachtens nicht besser argumentieren als die DIN-Vorschrift:

 

Nehmen wir als Beispiel +43 (0) 5525-542 22-0, eine von zahlreichen Schreibvarianten, denen man auf Briefpapieren, in Inseraten, auf Websites etc. täglich begegnet.

 

Auch diese Schreibweise lässt offen, was Vorwahl ist, was Durchwahl ist, was in welchem Falle wegzulassen ist, was nicht. Verständlich wird sie im Grunde nur durch den kulturellen Kontext: Wir wissen, wann wir nur die Null und wann wir die "+43" zu wählen haben, außerdem wissen wir, dass "+" für "00" steht, zudem ist uns klar, dass nur "5525" die Ortsvorwahl sein kann und dass wir, falls wir uns im Inland befinden, dann die Null in Klammern davor zu wählen hätten. Wäre es eine Nummer aus Usbekistan und wir wollten dort ins Nachbardorf telefonieren, würden wir uns schon schwerer tun.

 

Die DIN hingegen gibt drei Blocks bei der Schreibung von internationalen, zwei bei nationalen Telefonnummern vor:

 

1.) die internationale Vorwahl, 2.) die regionale Vorwahl, 3.) die Rufnummer

 

Für unser Beispiel von oben bedeutet das:

 

+43 5525 54222-0

 05525 54222-0

  • Die drei bzw. zwei Blocks sind durch Leerzeichen zu trennen.
  • Damit wird klar, welcher Block welcher Teil der Nummer ist.
  • Durchwahlen werden mit Bindestrich angehängt.
  • Beim "+" und der internationalen Vorwahl wird davon ausgegangen, dass der Leser weiß, was er schlussendlich zu wählen hat ("0" oder "0043" oder "+43").

 

Zusätzliche Argumente für die Schreibung nach DIN liefern uns die neuen Technologien:

 

Bei der Eingabe in Datenbanken wird die Nummer durch die DIN-Schreibweise eindeutig. Speichere ich die Nummer unter +43 (0) 5525-642 22-0 ein und suche sie später z. B. unter 05525 64 222-0, finde ich sie normalerweise nicht mehr auf Anhieb. Speichere ich die Nummer nach DIN ein, weiß ich auch, dass ich sie in DIN-Schreibweise in die Suche eingeben muss und werde sie so auch finden.

 

Die Nummerneingabe am Handy oder bei Skype kann schon heute ausschließlich in der DIN-Schreibweise erfolgen: ich gebe dabei einfach die komplette Nummer samt Plus und internationaler Vorwahl ein und muss mich nicht mehr um die Bedeutung irgendwelcher Klammen in der Angabe kümmern. Vielleicht wird das auch bei Festnetztelefonen einmal der Fall sein, dann sind andere Schreibweisen, die Alternativen für Anrufe aus dem Inland oder dem Ausland kommunizieren wollen, ohnehin obsolet.

 

Schlussendlich scheint mir die neue Schreibweise wesentlich aufgeräumter und eigentlich auch lesefreundlicher, als so mancher Bindestrich-Schrägstich-Klammer-Dschungel, dem man auf den Irrfahrten durch die Medien begegnet.

 

Hier noch ein Link einer Seite, die sich diesem Thema widmet:

 

Und hier der Originalwortlaut aus dem Duden:

(Quelle: Duden - Richtiges und gutes Deutsch, 6. Auflage, Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG, Mannheim 2007)

 

"In Telefon- und Telefaxnummern wird nur noch ein Leerzeichen zur Gliederung von Ortsnetzkennzahl (Vorwahlnummer) und Anschlussnummer gesetzt:

 

06281 4391, 0177 5648023, 040 5473-102.

 

Abweichend hiervon finden sich noch häufig Telefon- und Telefaxnummern, die – von der letzten Ziffer ausgehend – in Zweiergruppen durch einen kleinen Zwischenraum gegliedert sind und deren Ortsnetzkennzahl in runde Klammern gesetzt ist. Diese Form gilt mittlerweile jedoch als veraltet.

 

Bei internationalen Telefon- oder Faxnummern wird der Landesvorwahl (ohne doppelte Null) ein + unmittelbar vorangestellt:

 

+49 221 943612.

 

In der Schweiz werden bei siebenstelligen Telefonnummern die ersten drei Ziffern zusammengefasst; hier wird die Ortsnetzkennzahl nicht besonders kenntlich gemacht:

 

922 71 31, 064 247939."

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16Mär2010

Allzu herzlich ist manchmal schmerzlich

Es gibt wohl kaum eine häufiger verwendete Headline auf der Startseite von Websites als „Herzlich willkommen“. Und mit Verlaub wohl auch kaum eine nichtssagendere. Die Gestalter dieser Homepages verwechseln Text offenbar noch immer mit Füllmaterial, wie es zum Auspolstern von zerbrechlicher Ware in Kartons benutzt wird, oder mit Blindtext.

 

Oder sie sind vielleicht schon so von den leeren Worthülsen aus Politik und leider auch Werbung verdorben, dass sie albernes Geplapper mit Inhalt verwechseln. Werbe-Altvater Ogilvy, wir alle sollten ihn gelesen haben, hat vor fünfzig Jahren schon gewarnt, dass wir unser Werbebudget genauso gut zum Fenster rauswerfen können, wenn wir nicht schon in der Headline kommunizieren. Frage deshalb: Ist „Herzlich willkommen“ der Reißer, das Alleinstellungsmerkmal, das all diese Unternehmen auf ihren Websites gleichermaßen kommunizieren wollen? Wohl kaum.

 

Aber es kommt noch dicker: „Herzlich willkommen“ heißt man uns nicht nur auf 19 von 20 Startseiten, auf 18 davon schleicht sich hartnäckig ein schmerzlicher Rechtschreibfehler ein: „Herzlich Willkommen“ ist da allen Ernstes zu lesen und will uns unterjubeln, dass „willkommen“ ein Substantiv sei oder zumindest irgendwas hauptwörtlich Gebrauchtes. Von wegen Banane. Willkommen ist in dieser Fügung ein Adjektiv und Adjektive schreibt man bekanntlich klein. Natürlich gibt es „das Willkommen“ auch als Substantiv, aber eben nicht in dieser Fügung.

 

Außerdem, was soll dieses herzliche Willkommen (hier: groß!)? Kann eine Begegnung, die so unpersönlich stattfindet, wie der Besuch eines Users auf einer Website eines Unternehmens, für das Gegenüber – wer ist das: der Server? – herzlich sein? Als Unternehmen, dessen Chef, dessen Mitarbeiter kann ich mich zwar über die Besucherstatistik meiner Site freuen, aber im seltensten Falle bemerke ich einen gerade stattfindenden einzelnen Besucher, den ich von Herzen willkommen heißen könnte.

 

Damit etwas von Herzen sein kann – also dabei ein positives körperliches Gefühl in der Herzgegend verspürbar ist –, braucht es gewöhnlich persönlichen Kontakt. Und der ist hier schlicht nicht vorhanden. Also ist das „Herzlich“ geheuchelt. Wollen wir das?

 

Ergo, lasst uns alle „Herzlich willkommen“ und noch mehr alle „Herzlich Willkommen“ von den Startseiten der virtuellen Welt tilgen und etwas Vernünftiges hinein schreiben. Vorschlag: Produkt- und Leistungsvorteile, Alleinstellungsmerkmale, aber am liebsten zugleich etwas Originelles, das uns im Hirn und im Herzen hängen bleibt!

 

In diesem Sinne: viel Spaß auf meinem neuen Blog und meiner neuen Website, die die Welt nicht mit substanzlosen Kehrwischfludern aus dem Reservewerber-ABC, sondern mit konstruktiven und kritischen Bemerkungen zu Werbung und Werbetext versorgen will. Und falls ich bei der Betrachtung meiner Webstatistik bemerken sollte, dass Sie, genau Sie, wiederkommen, werde ich mich herzlich freuen – auch wenn es mir nicht möglich war, sie in diesem Moment höchstpersönlich herzlich willkommen geheißen zu haben!

 

 

Helmut Wiener(helmut@loswiener.com)weiterleitenPermalinkKommentare 0Gravatar: Helmut Wiener
Tags: websites, headlines, alleinstellung, rechtschreibung
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"Werbetexte, die mehr Vorteile Ihres Produkts verraten, als Sie selbst schon kennen."

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